Geralf Pochop: Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Punk-Frauen in der DDR
In einem Mix aus Erzählung, Lesung und Bildspots präsentiert Geralf Pochop ein bisher kaum aufgearbeitetes Stück DDR-Geschichte und lässt dabei mehrere Protagonistinnen und ihre Erlebnisse als widerständige Punk-Frauen in der DDR zu Wort kommen: „Punk zu sein an sich war schon eine Provokation. Aber als Mädchen so herumzulaufen, bedeutete wohl einen doppelten Tabubruch, so etwas wie ein Sakrileg im real existierenden Sozialismusverständnis der DDR.“ (Nancy)
Die 23 Protagonistinnen (Auswahl):
Dana, 1969 geboren, war das erste Punk-Mädchen in Aschersleben, schrieb emotionale, kritische Gedichte und vervielfältigte auf der Schreibmaschine mit 13 Jahren das in der DDR verbotenen Buch "1984". Wegen ihrer Punk-Zugehörigkeit kam sie in Konflikt mit der Staatsmacht und ihr Bildungsweg wurde blockiert. Mitte der 1980er Jahre zog sie nach Halle (Saale), spielte in der einzigen All-Girl-Punk-Band der DDR "Die Rote Zora" und engagierte sich in der Christuskirche über die sie rückblickend sagt: „Die Christusgemeinde war das Zuhause für uns Punks. Mein Bild ist ehrlich gesagt, dass das so etwas wie ein Rattenloch war. Wenn sie das aufgemacht hätten, wo hätten wir hinlaufen sollen? Die hätten uns einfach erschlagen.“
Kim, 1964 geboren, war der erste weibliche Punk in Karl-Marx-Stadt. Die Staatssicherheit bezeichnete sie als „Punk-Inspirator einer negativ-dekadenten jugendlichen Vereinigung“ und eröffnete den Operativen Vorgang „Park“. Auf hunderten Seiten ist inzwischen nachzulesen, wie die Stasi und etliche IMs versuchten, sie zu bekämpfen und dazu zu bewegen das Land zu verlassen. Nicht zuletzt versuchte man dabei, auch Kims offenen Umgang als lesbische Frau zu nutzen und sie zu diskriminieren. 1985 verließ Kim die DDR.
Der Autor:
Geralf Pochop, 1964 geboren in Halle (Saale), kam als Hausbesetzer, Ostpunk und Wehrdienstverweigerer in Konflikt mit der Staatsmacht. 1983 wurde er bei dem Versuch der Bildung einer Menschenkette zwischen der Sowjetischen- und der USA-Botschaft erstmalig verhaftet und in die Stasi-U-Haft "Roter Ochse" überführt. 1987 wurde er erneut inhaftiert und in einem fingierten Prozess zu 6 Monaten Haft verurteilt. Im April 1989 wurde er im Zuge der Stasiaktionen "Symbol 89" und "Nelke89" in die BRD abgeschoben. Seit seiner Rehabilitierung und Anerkennung als politischer Gefangener der DDR beschäftigt er sich intensiv mit der DDR-Vergangenheit. Er ist Autor der autobiografischen Bücher "Untergrund war Strategie. Punkin der DDR: Zwischen Rebellion und Repression" und „Zwischen Aufbruch und Randale. Der wilde Osten in den Wirren der Nachwendezeit“ sowie „Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Punk-Frauen in der DDR“.
Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und dem Miteinander e.V. im Rahmen der Veranstaltungsreihe „UND NU?!“
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